An(ge)dacht 4-2026

Der Herbst steht mit all seinen Facetten vor der Tür. Auf den goldenen Oktober und das Erntedankfest folgt der karge November. Die Natur zieht sich zurück und in diesem Jahr spüren viele von uns dazu eine dunkle, drückende Kälte. Schlagzeilen von gesellschaftspolitische Krisen und Konflikten füllen die Nachrichten. Doch über diesen Wochen steht ein prophetisches Wort aus Jesaja 2,4: „Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“ „Schwerter zu Pflugscharen“ – das ist seit je her das das Symbol einer tiefen Sehnsucht nach Umkehr von Aufrüstung zu Leben und Bewahrung. Der Prophet Jesaja – so wie auch sein Kollege Micha – weiß um die Konflikte zwischen den Menschen, lenkt den Blick aber auf eine wunderbarer Verwandlung: Aus Werkzeugen der Zerstörung werden Werkzeuge des Lebens. Die Pflugschar bricht die Erde auf, damit die Saat aufgehen kann; das Winzermesser pflegt den Weinstock und verbessert den Ertrag. Und am Ende heißt es:  „…und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“ Krieg ist nichts, womit wir geboren werden. Er wird gelernt. Doch Gottes Vision für unsere Welt zielt auf den Frieden. Wir müssen ihn neu erlernen! Ende November wandelt sich der Blick in Richtung Advent. Wir zünden Kerzen an, warten auf Weihnachten und schlagen die Brücke zu Jesus. Er ist der Friede, von dem Jesaja spricht. Er kommt nicht mit lautem Getöse, nicht mit eisernem Schwert und politischer Macht, sondern als verletzliches Kind in die Dunkelheit und in das Chaos dieser Welt. In ihm bricht Gottes Frieden in unsere Zeit ein. Er zeigt uns den Weg der Liebe und der Vergebung. Weihnachten bringt uns jedes Jahr die Hoffnung neu mit, die wir im grauen Alltag so oft vermissen. Die Kerzen im Advent sind kleine Flammen der Hoffnung die uns erinnern: Gott vergisst seine Zusage nicht. Was bedeutet das für uns? Das Erlernen des Friedens und das Schmieden von Pflugscharen beginnt im Kleinen. Dort, wo wir innehalten, aufhören gegeneinander aufzurüsten und Raum schaffen für Versöhnung. Dort, wo wir mit Franz von Assisi beten: Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist…

Gott segne Sie!

Ihre Pfarrerin Roseli Arendt

Erntedankgottesdienst

Auch in diesem Jahr feiern wir unseren Erntedankgottesdienst beim Langelschen Erntefest – am 11. Oktober um 10.00 Uhr – in der Fichte. Wir freuen uns über Erntegaben, die am Freitag, dem 9. Oktober um 18.00 Uhr in der Fichte oder bereits vorher im Pfarrhaus abgegeben werden können.

Heimat- und Gemeindefest steht vor der Tür

Am Sonntag, dem 13. September wird wieder zum Heimat- und Gemeindefest am Tag des Offenen Denkmals eingeladen. Das Fest startet um 14.00 Uhr mit einer Andacht in der Kirche. Die Theatergruppe wird dabei mitwirken. Anschließend geht es zur Kaffeetafel und zu einem bunten Treiben in den Pfarrgarten. Der Heimatverein sorgt für Kaltgetränke und Gegrilltem. Das Heimatmuseum im Kirchturm hat seine Tür geöffnet und lädt zu einem Besuch ein.

An(ge)dacht 3-2026

Endlich Juli! Endlich Sommer! Endlich Urlaub!

Für viele beginnt nun die schönste Zeit des Jahres. Wir dürfen eine Pause vom Alltag machen, die Sonne genießen. Im Freibad oder bei einer Wanderung an einem kühlen Bach die Füße ins Wasser strecken und merken, wie es den Staub des Alltags abwäscht und neue Kraft gibt. In diese Urlaubsstimmung hinein spricht der Monatsspruch für Juli vom Propheten Amos: Recht und Gerechtigkeit sollen fließen wie Wasser, unaufhaltsam und lebendig wie ein nie versiegender Bach. Was für ein kraftvolles Bild! Dabei war Amos kein Mann für sanfte Sommererinnerungen. Er lebte in einer Zeit, in der es der Wirtschaft zwar blendend ging, die Schere zwischen Arm und Reich aber immer weiter auseinanderging. Und da erhob er seine Stimme: Er prangerte an, dass die Armen und Schwachen übersehen wurden, während die Mächtigen rücksichtslos feierten. Darum rief er den Menschen zu: Gott will, dass Gerechtigkeit lebendig wird – spürbar und erfrischend für alle, wie kühles Nass an einem heißen Julitag. Dieser Ruf begleitet uns durch diesen Sommer, der für unser Bundesland ein ganz besonderer ist. Während wir die Urlaubszeit genießen, wirft die Landtagswahl im September ihren Schatten voraus, bereits erkennbar an den bunten Plakaten am Straßenrand und an der Verschärfung der politischen Diskussionen. Wie passen die Leichtigkeit des Sommers und die scharfe Kritik des Amos mit der bei uns anstehenden Wahl zusammen? Zum Einen dürfen wir in der Urlaubszeit aufatmen, die Seele baumeln lassen. Dabei dürfen wir innehalten und darüber nachdenken, wie wir das Zusammenleben in unserem Land gestalten wollen, wie wir die Demokratie bewahren und stärken können. Betrachten wir einen Bach, so fällt auf, dass er an vielen Grundstücken vorbei fließt – er ist für alle da. So fragt auch christliche Gerechtigkeit vor der Wahlurne nicht nur: „Was nützt mir persönlich?“, sondern: „Was sorgt dafür, dass das Leben für alle Menschen in unserem Land lebenswert bleibt?“ Außerdem trocknet ein Bach auch in der größten Hitze nicht so schnell aus – er hat einen langen Atem und einen langen Weg. So ist auch der Einsatz für das Recht kein kurzes Wahlkampf-Spektakel, sondern eine bleibende Aufgabe, die uns täglich fordert. Wenn wir in den kommenden Wochen die Erfrischung des Wassers spüren, dürfen wir uns daran erinnern, dass das Leben im Fluss ist und allen zusteht. Nehmen wir die Leichtigkeit und die Kraft dieser Sommertage mit in den Herbst. Gehen wir erholt, aufmerksam und voller Hoffnung auf die kommenden Entscheidungen zu – bereit, den Strom der Gerechtigkeit in unserem Land mitzugestalten. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete, erholsame und behütete Sommerzeit!

Ihre Pfarrerin Roseli Arendt

Sommersaison ist gestartet

Mit der Musikalischen Kirchenkneipe – ein Gottesdienst für Leib und Seele sind wir am 24. Juni in unsere Sommersaison gestartet. Im Juli wird die Reihe: „Ein Gottesdienst für Leib und Seele“ mit unserem Kirchenkino an drei Montagen in Folge (6., 13. und 20.) und unserer nächsten Musikalischen Kirchenkneipe am 28. August fortgesetzt.

Saison der Marienkirche beginnt

Nach einer ersten erfolgreichen Reinigung – vielen Dank den Mitwirkenden – öffnen sich wieder die Türen unserer Marienkirche. Wir starten mit einer Trauung am Samstag dem 28. März und sind dann ab Karfreitag wie in jedem Jahr mit den Gottesdiensten wieder in unserer schönen Marienkirche.

An(ge)dacht 2-2026

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Bibel erzählt, dass sich Jesus nach seiner Auferstehung seinen Freunden gezeigt hatte. Einer von ihnen, Thomas, war beim ersten Mal nicht dabei, sondern hatte nur davor gehört. Als er dann endlich selbst vor Jesus stand, da reichte ihm nicht, ihn nur zu sehen, sondern er wollte ihn auch berühren. Damit er glauben konnte, dass es wirklich Jesus war. Manchmal denke ich: Dieser Thomas gefällt mir. Er ist keiner, der einfach alles glaubt, was andere erzählen. Die anderen Jünger sagen: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Thomas aber antwortet ehrlich: Erst wenn ich es selbst erfahre, kann ich es glauben. Wir kennen diese Haltung. Viele Menschen sagen: „Ich weiß nicht so recht, ob ich glauben kann.“ Oder: „Ich habe lange nichts mehr mit Kirche zu tun gehabt.“ Dahinter steckt selten Ablehnung, sondern oft ist es eher eine leise Frage: Hat das wirklich etwas mit meinem Leben zu tun? Jesus weist Thomas in seiner Suche nach etwas Greifbarem nicht zurück. Ganz im Gegenteil: Er kommt ihm entgegen und zeigt ihm seine Wunden – die Spuren dessen, was er durchlitten hat. Plötzlich wird der Glaube für Thomas ganz konkret. Das berührt mich an dieser Geschichte. Erstens: Jeder Mensch glaubt anders, hat andere Bedürfnisse. Zweitens: Jeder Mensch kann zu Jesus kommen und wird nicht abgewiesen. Drittens: Glaube wächst mitten im Leben – mit seinen Erfahrungen, seinen Fragen und auch seinen Wunden. Vielleicht geschieht das auch bei uns, oft ganz unscheinbar. Wenn wir im Gottesdienst zusammenkommen und ein Lied singen, das uns trägt. Wenn beim Gespräch vor der Kirche jemand fragt, wie es dem anderen geht. Wenn Menschen füreinander da sind, füreinander beten und Anteil nehmen, wenn Krankheit oder Sorgen ins Leben treten. Und wenn sie sich miteinander freuen und feiern, wenn es wieder mal einen schönen Höhepunkt gibt. Gerade hier kann Glaube sehr konkret werden: im Miteinander, im Zuhören, in der Sorge füreinander und in der Freude miteinander. Jesus sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Für mich ist das kein Druck, einfach glauben zu müssen, sondern eher eine Einladung zum Vertrauen – auch dann, wenn nicht alles klar und sicht-bar ist. Vielleicht braucht es dafür genau das, was die Kirchengemeinde sein kann: einen Ort, an dem man kommen darf, wie man ist. Mit Glauben – oder mit Zweifeln.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei der einen oder anderen Gelegenheit begegnen – im Gottesdienst, bei einer Veranstaltung oder einfach im Gespräch.

Ihre Pfarrerin Roseli Arendt