Auf ein Wort (1-2021)

Liebe Leser,

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lk 6,36) – die Jahreslosung für 2021 spricht etwas an, was dem Christentum wortwörtlich in die Wiege gelegt wurde – oder besser gesagt – in die Krippe. Gott selbst ist Barmherzigkeit. Gott nimmt sich seines Volkes an und erbarmt sich: „Der Herr hat sein Volk getröstet und sich seiner Armen erbarmt… Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht.“ (Jes 49,15). Nicht zufällig bedeutet das alttestamentliche Wort für „Erbarmen/Mitleid“ auch „Mutterschoß“. Das ist merkwürdig, sagt aber aus: Gott lässt sich im Innersten seines Wesens – in seinen Eingeweiden – von der Not seiner Menschen berühren. Jesus Christus, die uns in die Krippe gelegte Barmherzigkeit, erzählt die Geschichte von dem barmherzigen Vater, der den „verlorenen“ Sohn mit einem großen Fest empfängt, nachdem dieser aus eigenem Verschulden sein Leben in der Fremde regelrecht weggeworfen hatte. Wie sehr muss er diesen Sohn lieben, dass er ihm vergibt! Und er erzählt auch von dem „barmherzigen Samariter“, der sich um den Verletzten am Wegesrand kümmert, an dem viele andere zuvor untätig vorbeigelaufen waren. Er packt beherzt und praktisch zu, weil er sich berühren lässt von der Not dieses Menschen. Einen Fremden!

Die „sieben Werke der Barmherzigkeit“, welche sich an Mt 25 orientieren, geben konkrete Anweisungen darüber, wie wir miteinander umgehen sollen: die Hungernden speisen, den Dürstenden zu trinken geben, die Nackten bekleiden, die Fremden aufnehmen, die Kranken besuchen, die Gefangenen besuchen, Tote begraben. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ – das sagt die uns in die Krippe gelegte Barmherzigkeit. Nächstenliebe, Vergebung, beherzte und praktische Hilfe – in unserem Handeln spiegelt sich die Barmherzigkeit Gottes, durch den wir mit allen Lebewesen verbunden sind.

Möge die Barmherzigkeit unsere Richtschnur sein in diesem neuen Jahr. Möge sie uns weiterhin leiten und begleiten.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Pfarrerin Roseli Arendt-Wolff

Neues Jahr – neues Glück (?) (1-2021)

Neues Jahr – neues Glück (?)

Sicher hat sich mancher von uns gewünscht, dass das Jahr 2020, geprägt von der Corona-Pandemie, endlich vorbei ist und etwas Neues kommt. Wie wird es werden, das neue Jahr, das mit dem beginnt, womit das alte noch nicht fertig geworden ist. Wie lange wird es dauern, bis die Impfungen so wirken, dass Normalisierung eintritt? Mittlerweile ist sie groß, die Sehnsucht nach gemeinsamen Feiern und Festen, nach kulturellen Höhepunkten, nach Sportveranstaltungen und Vereinsleben, nach Begegnungen ohne Angst, sich mit dieser furchtbaren Krankheit anzustecken. Wann ist es endlich möglich, unbeschwert den Menschen in die Arme zu schließen, den man mag, und es ihm auf diese Weise zeigen möchte? Vieles mehr lässt sich aufzählen, was man sich für ein neues Jahr wünschen kann. Ich wünsche uns, dass wir die Hoffnung und die Zuversicht nicht verlieren und immer die notwendige Geduld haben beim Warten auf Normalisierung. Wie schräg hätten wir in den vergangenen Jahren Menschen mit solchen Wünschen angesehen? Das Kirchenjahr beginnt bereits am 1. Advent mit der Zeit der Ankunft und der Erwartung der Geburt Christi. Die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten, auf ein Fest, das uns Menschen verändert, uns besinnlich und friedlich stimmt, ist der Beginn von etwas Neuem. Christus ist für uns geboren, als unser Heiland, als der, der wieder gut macht, der Frieden stiftet und Hoffnung gibt. Wie lange hält er in uns an, dieser Weihnachtseffekt? Oft ist er schon nach wenigen Tagen im Alltag aufgebraucht. Vielleicht schafft es ja dieses Weihnachten, das hinter uns liegt und das nicht so war, wie wir es gewohnt sind, dass sein Effekt etwas länger anhält als üblich. Unseren Gemeindebrief-Rhythmus wollen wir jetzt an den Lauf des Kirchenjahres, das mit dem 1. Advent beginnt und mit dem Ewigkeits- oder Totensonntag endet, anpassen. Daher gibt es hier einen „verkürzten“ Gemeindebrief für die Monate Januar und Februar, der nächste wird dann für die Monate März bis Mai gelten und es geht im Dreimonatsrhythmus weiter. Die Umstellung hat aber auch pragmatische Gründe. Ein Vorteil ist: Wir haben dann einen gemeinsamen Erscheinungsmodus im Pfarrbereich Wasserleben und darüber hinaus. Der wesentlich größere Vorteil ist: Wir müssen nicht Anfang Dezember am neuen Gemeindebrief arbeiten, denn da ist ja Advent und Ankunftszeit, Zeit der besinnlichen Vorbereitung auf Weihnachten.

Ich wünsche uns ein hoffnungsvolles Licht am Ende des Pandemie-Tunnels und ein gesegnetes Jahr 2021!

Hendrik Finger

Offene Weihnachtskirche statt Christvesper

Da wir wegen der Coronapandemie auf die diesjährige Christvesper verzichten, laden wir herzlich ein die geschmückte Weihnachtskirche an Heiligabend zwischen 15.00 und 17.00 Uhr zu besuchen, einmal durchzugehen und dabei Weihnachtsstimmung ins Herz einzulassen. Wir beginnen und enden mit Glockengeläut.

Bitte um Erntegaben

In diesem Jahr feiern wir unseren Erntedankgottesdienst am 11. Oktober in der Kirche. Gern wünschen wir uns wieder Erntegaben um die Kirche zu schmücken und sie dann dem „Guten Hirten“ in Wernigerode weiterzugeben.

Achtung! Da wir am Samstag in der Kirche eine Diamantene Hochzeit haben und die Kirche vorher ausgestalten möchten, bitten wir darum, dass die Erntegaben bis Freitag im Pfarrhaus oder davor abgegeben werden. Vielen Dank!

Amtseinführung Pfarrerin Arendt-Wolff

Am 27. September wurde unsere Pfarrerin Roseli Arendt-Wolff von Superintendent Jürgen Schilling in ihr Amt als Pfarrerin für den Pfarrbereich Wasserleben eingeführt. Es war ein wunderschöner Gottesdienst in der Wasserleber Kirche. Pfarrerin Arendt-Wolff predigte über den zweiten Timotheusbrief, Kapitel 1, Vers 7: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Auf ein Wort (4-2020)

Liebe Leserinnen und Leser!

Wenn ich die Mitte eines Ortes suche, schaue ich zuerst nach dem Kirchturm, denn im Herzen unserer Orte und Städte, meistens von Weitem schon sichtbar, stehen unsere Kirchen. Wie ein Fingerzeig Gottes ragen Kirchtürme empor, kennzeichnen unsere Landschaften und geben Orientierung. Ein beruhigendes, ein vertrautes Gefühl löst dieser Anblick in mir aus. Denn überall, wo es Kirchtürme gibt, gibt es Menschen, die sich umeinander kümmern, die füreinander da sind, die in Wort und Tat die frohe Botschaft von Jesus Christus in die Welt bringen.

Überall, wo es Kirchen gibt, gibt es Menschen, die um des Wortes Gottes Willen das Beste suchen. Dazu lädt uns der Monatsspruch für Oktober ein: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN, denn wenn es ihr wohlgeht, so geht es auch euch wohl“ (Jer 29,7).

Wenn der Papst in Rom den Segen „Urbi et Orbi“ spricht, so sind damit Stadt und Erdkreis gemeint. Genauso ist es gemeint, wenn wir „der Stadt Bestes“ suchen: wir beten nicht nur dafür, dass es uns und unseren Orten gut gehen möge, sondern für die ganze Welt, für den ganzen Erdkreis, für alle Kreaturen. Wir vertrauen uns Gott an, zusammen mit der ganzen Schöpfung.

Insbesondere an Erntedank wird dieser Gedanke wichtig. Wir danken Gott für die Gaben seiner Schöpfung und gedenken auch derer, die Mangel leiden. Das Sammeln und Weitergeben der Erntedankgaben im Zusammenhang mit dem Gottesdienst steht dafür, dass wir „der Stadt Bestes“ suchen, denn wir wissen: nur wenn es allen Menschen gut geht, kann es auch uns wirklich gut gehen. Dabei werden wir daran erinnert, dass wir alle Teil eines Großen und Ganzen sind, angewiesen auf das, was uns die Erde – und somit Gott – zum Leben schenkt.

Ein Lied im Gesangbuch erinnert auch an die Verantwortung, die damit verbunden ist: „Hilf, dass wir dies Gut der Erden treu verwalten immerfort. Alles soll geheiligt werden durch Gebet und Gottes Wort. Alles, was wir Gutes wirken, ist gesät in deinen Schoß, und du wirst die Ernte senden unaussprechlich reich und groß.“ (EG  512,6)

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Pfarrerin Roseli Arendt-Wolff