Der Herbst steht mit all seinen Facetten vor der Tür. Auf den goldenen Oktober und das Erntedankfest folgt der karge November. Die Natur zieht sich zurück und in diesem Jahr spüren viele von uns dazu eine dunkle, drückende Kälte. Schlagzeilen von gesellschaftspolitische Krisen und Konflikten füllen die Nachrichten. Doch über diesen Wochen steht ein prophetisches Wort aus Jesaja 2,4: „Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“ „Schwerter zu Pflugscharen“ – das ist seit je her das das Symbol einer tiefen Sehnsucht nach Umkehr von Aufrüstung zu Leben und Bewahrung. Der Prophet Jesaja – so wie auch sein Kollege Micha – weiß um die Konflikte zwischen den Menschen, lenkt den Blick aber auf eine wunderbarer Verwandlung: Aus Werkzeugen der Zerstörung werden Werkzeuge des Lebens. Die Pflugschar bricht die Erde auf, damit die Saat aufgehen kann; das Winzermesser pflegt den Weinstock und verbessert den Ertrag. Und am Ende heißt es: „…und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“ Krieg ist nichts, womit wir geboren werden. Er wird gelernt. Doch Gottes Vision für unsere Welt zielt auf den Frieden. Wir müssen ihn neu erlernen! Ende November wandelt sich der Blick in Richtung Advent. Wir zünden Kerzen an, warten auf Weihnachten und schlagen die Brücke zu Jesus. Er ist der Friede, von dem Jesaja spricht. Er kommt nicht mit lautem Getöse, nicht mit eisernem Schwert und politischer Macht, sondern als verletzliches Kind in die Dunkelheit und in das Chaos dieser Welt. In ihm bricht Gottes Frieden in unsere Zeit ein. Er zeigt uns den Weg der Liebe und der Vergebung. Weihnachten bringt uns jedes Jahr die Hoffnung neu mit, die wir im grauen Alltag so oft vermissen. Die Kerzen im Advent sind kleine Flammen der Hoffnung die uns erinnern: Gott vergisst seine Zusage nicht. Was bedeutet das für uns? Das Erlernen des Friedens und das Schmieden von Pflugscharen beginnt im Kleinen. Dort, wo wir innehalten, aufhören gegeneinander aufzurüsten und Raum schaffen für Versöhnung. Dort, wo wir mit Franz von Assisi beten: Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist…
Gott segne Sie!
Ihre Pfarrerin Roseli Arendt
