Endlich Juli! Endlich Sommer! Endlich Urlaub!
Für viele beginnt nun die schönste Zeit des Jahres. Wir dürfen eine Pause vom Alltag machen, die Sonne genießen. Im Freibad oder bei einer Wanderung an einem kühlen Bach die Füße ins Wasser strecken und merken, wie es den Staub des Alltags abwäscht und neue Kraft gibt. In diese Urlaubsstimmung hinein spricht der Monatsspruch für Juli vom Propheten Amos: Recht und Gerechtigkeit sollen fließen wie Wasser, unaufhaltsam und lebendig wie ein nie versiegender Bach. Was für ein kraftvolles Bild! Dabei war Amos kein Mann für sanfte Sommererinnerungen. Er lebte in einer Zeit, in der es der Wirtschaft zwar blendend ging, die Schere zwischen Arm und Reich aber immer weiter auseinanderging. Und da erhob er seine Stimme: Er prangerte an, dass die Armen und Schwachen übersehen wurden, während die Mächtigen rücksichtslos feierten. Darum rief er den Menschen zu: Gott will, dass Gerechtigkeit lebendig wird – spürbar und erfrischend für alle, wie kühles Nass an einem heißen Julitag. Dieser Ruf begleitet uns durch diesen Sommer, der für unser Bundesland ein ganz besonderer ist. Während wir die Urlaubszeit genießen, wirft die Landtagswahl im September ihren Schatten voraus, bereits erkennbar an den bunten Plakaten am Straßenrand und an der Verschärfung der politischen Diskussionen. Wie passen die Leichtigkeit des Sommers und die scharfe Kritik des Amos mit der bei uns anstehenden Wahl zusammen? Zum Einen dürfen wir in der Urlaubszeit aufatmen, die Seele baumeln lassen. Dabei dürfen wir innehalten und darüber nachdenken, wie wir das Zusammenleben in unserem Land gestalten wollen, wie wir die Demokratie bewahren und stärken können. Betrachten wir einen Bach, so fällt auf, dass er an vielen Grundstücken vorbei fließt – er ist für alle da. So fragt auch christliche Gerechtigkeit vor der Wahlurne nicht nur: „Was nützt mir persönlich?“, sondern: „Was sorgt dafür, dass das Leben für alle Menschen in unserem Land lebenswert bleibt?“ Außerdem trocknet ein Bach auch in der größten Hitze nicht so schnell aus – er hat einen langen Atem und einen langen Weg. So ist auch der Einsatz für das Recht kein kurzes Wahlkampf-Spektakel, sondern eine bleibende Aufgabe, die uns täglich fordert. Wenn wir in den kommenden Wochen die Erfrischung des Wassers spüren, dürfen wir uns daran erinnern, dass das Leben im Fluss ist und allen zusteht. Nehmen wir die Leichtigkeit und die Kraft dieser Sommertage mit in den Herbst. Gehen wir erholt, aufmerksam und voller Hoffnung auf die kommenden Entscheidungen zu – bereit, den Strom der Gerechtigkeit in unserem Land mitzugestalten. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete, erholsame und behütete Sommerzeit!
Ihre Pfarrerin Roseli Arendt
